Reisemobil als Sparmobil? – Überwintern im Ausland – Konkrete Tipps zum sofortigen Umsetzen

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Können Reisemobilbesitzer durch das Überwintern im warmen Süden den hohen Energie-Kosten in Deutschland wirkungsvoll entgehen? Diese Frage geistert gerade durch verschiedene Medien. We love C hat sich die Sache angeschaut und stellt einmal verschiedene Sichtweisen und Beispiele vor. Wird das Reisemobil also wohlmöglich zum reinsten Sparmobil?

Eins ist klar: Wenn man den kommenden Winter zu Hause in Deutschland in den vier Wänden der Wohnung oder des Eigenheims verbringt, zahlt man bei den Energiekosten für die Heizung und Warmwasser deutlich mehr als in der letzten Heizperiode 21/22.

Da mag es sich verlockend anhören, doch einfach mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen am Haken in den Süden zu reisen und die relative Wärme von Spanien, Portugal oder Nordafrika zu genießen. Die Heizung im heimischen Haus wird auf das notwendigste Minimum eingestellt und schon geht das Sparen los!

An diesem Punkt ist dem erfahrenen Camper bereits glasklar: Ganz so einfach läuft die Chose nicht!

Der Personenkreis für das Überwintern ist überschaubar!

Die meisten Camper in Deutschland können das Überwintern im Ausland  – insbesondere über mehrere Monate, dann macht es spartechnisch ja am meisten Sinn – gar nicht realisieren. Eltern mit schulpflichtigen Kindern sind ebenso außen vor, wie Arbeitnehmer mit rund 30 Tagen Urlaub im Jahr. Na gut, dann bleiben eben Rentner, Selbstständige, (digitale) Arbeits-Nomaden oder Privatiers, die bereits ein finanzielles Polster besitzen, so dass ein 9-to-5-Job nicht notwendig ist.

Können diese Personen durch das Überwintern in Spanien und Co. echtes Geld sparen?

Wichtige Info-Tipps

Für Neueinsteiger und Caravaning-Fans geeignet. Das neue Wohnmobil Handbuch aus dem Verlag Bruckmann. (Foto: tom/dkf)

Für Neueinsteiger und Caravaning-Fans geeignet. Das neue Wohnmobil Handbuch aus dem Verlag Bruckmann. (Foto: tom/dkf)

Wir empfehlen an dieser Stelle das Buch “*Wohnmobil Handbuch für Einsteiger” von Lupp/Klug. Dort handelt das Autoren-Duo Petra Lupp und Martin Klug die Themenfelder “Arbeiten und Leben im Wohnmobil”, “Überwintern und Langzeitaufenthalte”, “Wintercamping” und das Megatrend-Thema “Vanlife” ab. Hierbei stellen die beiden Verfasser auch real vorhandene Nachteile dar (“Freundschaften auf Distanz zu pflegen ist schwierig, aber machbar…” S. 191) und weisen auf die Gesetzeslage (90 Tage visumfreier Aufenthalt) inklusive Steuerstatus hin. Harte Lesekost also, die das Bild von Freiheit und Abenteuer ganz klar relativiert. Zur Buchbesprechung

Wird das Spaßmobil also zum Sparmobil?

In einem Bericht des Magazins “Focus” wird ein Ehepaar vorgestellt, dass in Portugal und Spanien überwintert: Beide Rentner, Eigenheimbesitzer in Deutschland, familiär ungebunden. Der Mann sagt, laufende Lebenshaltungkosten in Spanien sind günstiger als in Deutschland.  Der Dieselpreis liegt jetzt im Oktober ’22 bei rund 1,50 Euro pro Liter.

Die Übernachtung auf einem Campingplatz im Spanien und Portugal mit einer durchaus gehobenen Ausstattung (er erwähnt einen Platz in Spanien direkt am Meer) liegt bei 20 Euro für die Nacht. In Koblenz, bei einem Besuch in Deutschland, um nach dem Rechten zu sehen, habe er 50 Euro für eine Nacht gezahlt.

Camping, Sonne, Strand: Überwintern im Süden. (Foto: AG-Pics; pixabay.com)

Camping, Sonne, Strand: Überwintern im Süden. (Foto: AG-Pics; pixabay.com)

Essen, Energie, Miete und Sprit

Im Weiteren rechnet der Camper vor, dass seine Frau und er gemeinsam für Essen, Energie, Miete und Sprit zwischen 1.400 und 2.000 Euro im Monat ausgeben. Damit würden sie sicher einen vergleichbar gehobenen Lebensstil, wie in Deutschland auch pflegen. Für das Ehepaar bedeutet dies ganz konkret: Gut essen, einen schönen Wein trinken! Da hätten andere Camper auf jeden Fall Sparpotenzial. Der Überwinterer aus dem Focus-Artikel merkt an, dass er Camper-Paare kennt, die monatlich mit 1.000 Euro für die Lebenshaltung auskommen.                                                            Ganz akribische Sparfüchse werden wohl zu zweit auch diese Marke noch knacken können, aber will man das dann wirklich noch?

Kosten für Versicherung und Fahrzeugreparaturen sind in dieser Kalkulation übrigens nicht enthalten!

Die Rentner sagen: “Es ist ein Gerücht, dass die Lebenshaltungskosten in Portugal höher sind als in Deutschland. Man muss da differenzieren. Grundnahrungsmittel sind sogar um 30 Prozent billiger. Entscheidend ist, dass ich darauf achte, landestypische Produkte zu kaufen.”

Das Ehepaar hat für sich selbst übrigens ausgerechnet, dass sie gemeinsam in Deutschland rund 2.500 Euro im Monat ausgeben müssen.

Also ergibt sich zunächst das Zwischenergebnis: Im Süden spart man Geld ein!

Sparen bei Gas und Wasser

Besondere Sparmöglichkeiten sehen die beiden Camper beim Gasverbrauch und bei der Nutzung von Wasser. Da braucht man viel weniger, als man in Deutschland verbrauchen würde. Die meisten Camper dürften dieser These zustimmen, da man einfach im Reisemobil nicht so ausgiebig duscht, wie zu Hause unter der Regenwaldbrause. Die Wäsche wird auch nur dann gewaschen, wenn es “wirklich notwendig ist”, sagen die Deutschen. Insgesamt hat man als Camper gelernt, mit weniger klarzukommen. Außerdem merkt der Mann an, dass man mit einem voll ausgestatteten Reisemobil – also inklusive Toilette – nicht jede Nacht auf einem kostenpflichtigen Campingplatz stehen muss.

Mit dem Adapter-Set kann man überall in Europa Gasflaschen füllen. (Foto: Amazon)

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Freistehen als Sparkonzept?

Das sehen wir von We love C allerdings eher kritisch, da gerade in Portugal das Freistehen seit 2021 drastisch eingeschränkt worden ist und auch hohe Strafen bei Nichtbefolgung drohen (siehe unser Bericht). Da haben die Rentner aber nach eigener Aussage bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Wir werden das in einschlägigen Foren von Überwinterer-Gruppen nachfragen und hier darüber berichten.

Ein lange Zeit gewohntes Bild in Portugal: Camper an allen Stellen frei stehend. (Foto: tom/dkf)

Ein lange Zeit gewohntes Bild in Portugal: Camper an allen Stellen frei stehend. (Foto: tom/dkf)

Und eine 11-Kilo-Gasflasche, die nicht oder nur wenig zum Heizen benötigt wird, hält ja erfahrungsgemäß auch sehr lange, oder? Konkret erwähnt der Campingfreund, dass seine Flasche nach vier Wochen Spanien erst zur Hälfte leer ist.

Da das Rentnerehepaar sein Eigenheim in Deutschland vermietet hat, sind die Kosten für das Wohnen im eigenen “Haus auf vier Rädern” im Süden nun wohl klar günstiger.

Jetzt mal zum “Aber”!

Bis hierher ist die Rechnung damit schon einmal gemacht und lässt sich gut an. Nun allerdings kommen wir mal zu den Kosten, welche gegenzurechnen sind:

Anschaffungskosten für ein Reisemobil

Ohne Fahrzeug geht natürlich gar nichts. Die Anschaffungskosten von Reisemobilen sind schon beträchtlich. Der Durchschnittsanschaffungspreis für Reisemobile lag in Deutschland im Jahr 2021 bei rund 71.000 Euro! Diese Summe muss natürlich in die Gegenrechnung eingepreist werden. Allerdings kann man sofort einwenden, das der Wiederverkaufswert natürlich aktuell aufgrund der hohen Nachfrage sehr gut ist. Wie lange das noch so bleibt? Darüber kann trefflich spekuliert werden. Lesen Sie dazu unseren Bericht: Gebrauchtpreise explodieren


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Versicherung, Reparaturen und Sprit

Weitere Kosten, die unmittelbar am Fahrzeug hängen, sind natürlich die verpflichtende Versicherung sowie ein eingeplantes Polster für Reparaturen und Sprit. Auch hier gilt: Der Sparfaktor hängt ganz wesentlich von dem eigenen Reiseverhalten ab. Allerdings müssen die Strecken in den Süden und retour nach Deutschland fest eingerechnet werden. Da kommen schnell einmal 2.000 bis 5.000 Kilometer Wegstrecke zusammen. Je nach Durchschnittsverbrauch des Reisemobils läppern sich die Spritkosten dort schnell auf mehrere hundert Euro Spritkosten.

Maut nicht vergessen!

Gerade auf den Transitstrecken durch Frankreich, Spanien und Portugal ist die Maut ein Faktor.  Wir von We love C haben schon häufig darüber berichtet (Maut SlowenienRegeln ItalienRegeln Österreich). Natürlich können Überwinterer mit genug Zeit auch mautfreie Routen wählen und tun das auch vielfach. Dennoch sind die Mautstrecken manchmal einfach die besten Verbindungen, ohne dass man große Umwege in Kauf nehmen muss.

Schließlich gehören in die Gesamtkalkulation die Kosten für eine Reparatur. Viele Camper schwören dort auf eine Full-Service-Versicherung der einschlägigen Automobilclubs inklusive Rückführung des Fahrzeugs nach Deutschland. Sicher eine sinnvolle Überlegung für das Campen im Ausland, die aber auch bezahlt werden muss!

Das Ehepaar aus dem Focus-Bericht warnt hier eindringlich davor, sich alles schönzurechnen! Alle genannten Kosten müssen mit in die Abwägung fließen. Der kölsche Grundsatz “Et hätt noch immer jotjejange” hilft im Fall der Fälle wenig.

Arztbesuche einkalkulieren!

Gerade ältere Camper wissen, dass man schnell mal im Ausland auch einen Arzt aufsuchen muss. Und dann heißt es gleich: “Barzahlung, bitte!” Bei einem Aufenthalt über mehrere Monate im warmen Süden daher immer eine Arzt-Reserve einplanen.

Tipps zum konkreten Sparen im Süden

Die Renter, die nun seit zwei Jahren unterwegs sind haben noch folgende Tipps aus ihrem Überwinterer-Alltag für andere Reisemobilisten:

Generelle Tipps

Preiswerte Destinationen wählen:
Dazu zählen Portugal, Polen, Marokko, Albanien, Griechenland, Montenegro

Die Nebensaison nutzen:
Das sind grds. die Monate September bis April

Nach Ermäßigungen für Langzeitmieten fragen:
Diese beginnen auf den Campingplätzen oft bereits ab 14 Tagen Standdauer.

Rabattkarten – wie zum Beispiel die ACSI-Card nutzen!
Dort sind mitunter erhebliche Ersparnisse möglich.

Auf der Piste

Die Routen vorher sinnvoll planen.
Die Camper-Navigeräte helfen Fehler bei der Streckenplanung zu vermeiden.

Google Maps nutzen.
Die Online-Anwendung verfügt mittlerweile über eine Öko-Routen-Funktion. Ein gründlicher Check vor Reiseantritt hilft also Sprit sparen!

Nur für routinierte Fahrer geeignet:
Mit LKW „mitschwimmend“ fahren spart 20 Prozent Diesel.

Tanken an Supermärkten, nicht an der Tankstelle
Ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, spart aber tatsächlich Geld! Gerade in Frankreich und Spanien ist das Tanken an Supermärkten deutlich günstiger als an “normalen” Tankstellen.

Mautstrecken vermeiden.
Es gibt sie noch: Strecken, die ohne viele Umwege mautfrei zum Ziel führen. Da hilft der Austausch mit Campingfreunden, um die besten Tipps zu sammeln.

Tipps zu Lebenshaltungskosten

Selbstverpflegung als Sparhammer!
Die gute, selbstgeschmierte Knifte spart unterwegs die teuren Raststättenbrötchen. Gerade beim gemütlichen Reisen in den warmen Süden kommt es doch auf einige Stunden Wegzeit nicht an. Auch das Selberkochen in der Bordküche sorgt für eine große Ersparnis in der Reisekasse.

Wasserversorgung aus öffentlichen Zapfstellen
Die Camper hier geben an, dass sie Wasser häufig auf dem Campingplatz zapfen und dann mit einem Filtersystem auch trinkbar machen. Von dieser Methode sind wir von We love C nur bedingte Fans. Beim reinen Trinkwasser nutzen wir in Europas Süden lieber die typischen 5-Liter-Gebinde aus dem Supermarkt. In Nordafrika wird die Nutzung von versiegeltem Trinkwasser dann unserer Meinung nach zwingend. Das erscheint uns unter Hygiene- und Gesundheitsaspekten sinnvoll.

Allerdings wissen wir auch von Oma: “Ein Pfund Dreck pro Jahr reinigt den Magen!”

Ein Wasserdieb! Der Universaladapter passt überall in Europa auf die Wasserhähne. (Fozo: Amazon)

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Fazit:

Geld sparen mit dem Reisemobil ist möglich. Das Überwintern in warmen Gefilden kann ein Spartrick sein, wenn man die laufenden Kosten in Deutschland für diese Zeit runterkriegt. Da hilft es sehr, wenn man das Eigenheim oder die Wohnung untervermieten kann. Für viele Camper bietet die Zeit in Spanien und Portugal aber vor allem auch gesundheitlich einen Mehrwert. Man kann dem kalten, ungemütlichen Winter in Deutschland entgehen. Für Menschen, die das Überwintern allerdings als eine reine notwendige Maßnahme ansehen, um über die Runden zu kommen, sind die Anregungen in diesem Bericht vermutlich nichts! Allen anderen wünschen wir eine gute, knitterfreie Reisezeit!


Coolnessfaktor: 08/10. Wer sich mit dem Reisemobil einen Lebenstraum erfüllt hat, kann durch das Überwintern noch mehr Vorteile aus dieser Urlausform ziehen. Mit unseren Tipps steht dem Gedanken “Reisen & Sparen” dann nichts mehr im Wege.

Weitere Informationen

Nachtrag zu dem Focus-Artikel:
In den Kommentaren zu dem Text der Focus-Redaktion kommt erhebliche und scharfe Kritik an dem Artikel auf, da das vorgestellte Rentner-Paar deutlich jenseits der normalen Durchschnittsrentner stehe und der aufwändige Lebensstil der beiden nichts mit Sparen zu tun habe. Zum Focus-Bericht mit Kommentaren

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Facebookgruppe “Überwintern in Spanien” (private Gruppe)

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