Dieselskandal? – Was droht aktuell Wohnmobilen wirklich? – Hier Fakten auf dem neuesten Stand!

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-Anzeige- Im Juli 2020 hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt a.M. Büroräume von FIAT (jetzt Stellantis) durchsucht. Der Ermittlungsansatz lautet: Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs gegen Verantwortliche von Fiat Chrysler Automobiles N.V., Case New Holland Industrial N.V. und Iveco Magirus AG.

Der Vorwurf: Einbau von unzulässigen Abschaltvorrichtungen in Dieselfahrzeugen.

Hier kommen die Wohnmobile ins Spiel – Bis zu 200.000 Fahrzeuge betroffen

Da ja insbesondere der Fiat Ducato und auch der Iveco Daily beliebte und häufig eingesetzte Basisfahrzeuge für Reisemobile von vielen Herstellern sind, ergeben sich für die fraglichen Euro5- und Euro6-Motoren hohe Stückzahlen, die auf den Straßen der Republik herumfahren. (Hinweis: Fiat firmiert nach der Fusion mit der Groupe PSA seit dem 16.1.2021 unter den Namen Automobilholding Stellantis N.V.).

200.000 Fahrzeuge sollen laut ermittelnden Stellen betroffen sein

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Frankfurt ergaben, dass Fahrzeuge mit den folgenden Dieselmotoren manipuliert wurden.

Die Rechtsanwaltskanzlei Goldenstein mit Sitz in Potsdam hat folgende Motorentypen auf seiner Webseite gelistet:

Fiat- und Iveco:

  • 1.3 Liter Multijet
  • 1.3 Liter 16V Multijet
  • 1.6 Liter Multijet
  • 1.6 Liter
  • 2.0 Liter Multijet
  • 2.0 Liter
  • 2.2 Liter Multijet II
  • 2.3 Liter
  • 2.3 Liter Multijet
  • 3.0 Liter

Die manipulierten Motoren von Fiat und Iveco wurden zwischen 2014 und 2019 in Modellen wie dem Fiat Ducato sowie den Iveco-Fahrzeugen Daily Hi-Matic, Daily 4×4 und Eurocargo verbaut. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass alle Wohnmobile der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6, die auf Basis von Fiat- und Iveco-Fahrzeugen gebaut wurden, vom Abgasskandal betroffen sind.

Fahrzeuge mit 6dTemp-Ausstattung sind nach dem jetzigen Kenntnisstand NICHT betroffen!

Auf der Webseite von Goldenstein gibt es dazu einen Online-Check, der direkt prüft, welche Fahrzeuge betroffen sind und welche Entschädigungssumme dann möglich ist.

Was droht nun Eigentümern von betroffenen Wohnmobilen?

Wertverlust?

Die Motoren entsprechen nicht dem beim Kaufvertrag vereinbarten Eigenschaften. Sie haben einen Mangel. Somit kann das Fahrzeug beim Verkauf an Dritte nicht frei von Mängeln übergeben werden. Sie sind als Verkäufer auch verpflichtet diesen Mangel anzugeben!

Das mindert den Preis mitunter sehr erheblich! Hand aufs Herz: Kaufen Sie ein Auto, dass einen öffentlich bekannten Mangel hat, oder nehmen Sie lieber Abstand?

Zudem steht zu befürchten, dass Fahrzeuge die jetzt auf der Blacklist der Staatsanwaltschaft Frankfurt a.M. stehen, bei potentiellen Käufern weniger Anklang finden. Eine Inzahlungnahme bei einem gewerblichen Händler beim Neuwagenkauf dürfte perspektivisch auch weniger hohe Summen ergeben. Das typische Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage eben!

Wertverlust: Sehr wahrscheinlich!

Technische Probleme?

Durch den Einsatz von manipulierten Motoren sollten die gesetzlich vorgeschriebenen Abgaswerte erreicht werden. Dazu hat Fiat Software eingesetzt. Nun kann man daran denken, dass ein Software-Update die Motoren gesetzeskonform macht. Allerdings gibt es verschiedene Erfahrungen aus dem VW-Skandal mit diesen Updates. Im PKW-Abgasskandal wurde dies in der Regel durch Software-Updates versucht. Es ist jedoch auch möglich, Hardware-Veränderungen am Motor vorzunehmen. Dies ist teurer als ein Software-Update, viele Experten halten es jedoch für die einzig wirksame Lösung. Aufgrund der hohen Kosten umgehen die betroffenen Hersteller diesen Schritt jedoch bislang.

VW-Fahrer befürchten zudem, dass durch die Software-Änderungen die Motorcharakteristik negativ verändert wird (Verrußung) und die Haltbarkeit sinkt. Langzeiterfahrungen stehen noch aus. Zahlreiche Verbraucher mit VW-Fahrzeugen berichten über Motorprobleme bis hin zu Motorschäden nach dem Aufspielen eines Software-Updates (Quelle Auto, Motor & Sport).

Es steht zu befürchten, dass bei Wohnmobil-Motoren ähnliche Effekte auftreten werden.

Technische Probleme: Wahrscheinlich! Es gibt offenbar – bisher – nur bedingt funktionierende oder wirtschaftliche Lösungen.

Rückrufaktionen?

Können Wohnmobile durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) zurückgerufen werden? Muss man als Eigentümer eines betroffenen Fiat-Motors (oder den anderen Varianten s.o.) mit einem amtlichen Rückruf rechnen?

Das Kraftfahrtbundesamt hat bereits im Februar 2021 einen Rückruf für den Iveco Daily der Baujahre 2015 bis 2019 veröffentlicht (KBA Referenznummer 010493). Der Fehler ist nach KBA-Angaben durch die Aktualisierung des Datensatzes des Motorsteuergeräts zu beheben. In Deutschland sind danach 872 Fahrzeuge betroffen, während sich die Zahl weltweit auf rund 20.000 Fahrzeuge summieren soll.
Das Software-Update soll rund 30 Minuten bei den jeweiligen Service-Partnern dauern.

Dieser amtlichen Aufforderung müssen Iveco-Halter nachkommen. Sollten sie sich auch nach mehrfacher Aufforderung weigern, das Update durchzuführen droht als ultima ratio die Stillegung des betroffenen Fahrzeugs.

Ob und wann Wohnmobile von solchen Amtshandlungen des KBA betroffen sind, kann man aktuell natürlich nicht sagen. Die Amtmühlen mahlen langsam, aber sicher.

Rüchrufaktionen: Bei Iveco schon Realität. Bei Wohnmobilen sind Rückrufe zukünftig nicht auszuschließen.

Iveco Daily: Das KBA hat einem Rückruf für verschiedene Motoren gestartet. (Foto: Iveco)

Iveco Daily: Das KBA hat einem Rückruf für verschiedene Motoren gestartet. (Foto: Iveco)

Umweltverschmutzung?

Die bisher bekannten Motormanipulation führen dazu, dass die ausgestoßenen Abgase auf dem Prüfstand die gesetzlich vorgeschriebenen Messwerte einhalten. Im normalen Fahrbetrieb stoßen die Motoren jedoch bis zu 20-mal mehr Stickoxyde aus, als erlaubt. Dies hat das Verbrauchermagazin Plusminus der ARD an mehreren Fahrzeugen nachgemessen. (ARD, Sendung Plusminus vom 21.4.2012). Somit entsteht durch die verbauten Abschaltvorrichtungen ein messbarer Schaden für die Umwelt.

Umweltverschmutzung: Sehr wahrscheinlich!

Stilllegung? Das Wort alleine verursacht Bauchschmerzen!

Drohen nun für betroffene Wohnmobile Stilllegungsverfügungen? Das Wort alleine verursacht Bauchschmerzen. Können die Behörden tatsächlich anordnen, dass mein Fahrzeug stillgelegt wird und ich es nicht mehr nutzen darf?

Bevor Stilllegungen ausgesprochen werden können, bedarf es zunächst eines Rückrufs des Fahrzeugtyps. Sollte man diesen Anordnungen mehrfach nicht nachkommen, können am Ende des Verfahrens dann Stilllegungen stehen.

Wohin dreht der politische Wind in Deutschland?

Neben rein rechtlichen Erwägungen kann man auch politische Überlegungen anstellen. Sind Fahrzeuge in Deutschland demnächst noch so wichtig und werden sie daher relativ gesehen bevorzugt, oder werden Umweltfragen höher geschätzt und es drohen Verbote/Stilllegungen?

Stilllegung: Aktuell nicht wahrscheinlich!

Fazit:

Eigentümer von Fahrzeugen der betroffen Motoren und der Baujahre 2014 bis 2019 sollten sich mit dem Thema befassen. Probleme und handfeste Auswirkungen sind jetzt schon absehbar und teilweise auch ganz konkret (Wertverlust!). 


Coolnessfaktor: Diesmal enthalten wir uns bei der Wertung. Das Thema ist komplex und nicht sorgfältig abgewogene Aussagen helfen niemandem!

We love C ❤️ bleibt an dem Thema dran!

Informationsstand des Artikels: 01.10.2021

Weitere Informationen gibt es hier:

Pressemitteilung der Polizei Hessen

Unser Bericht: Dieselskandal? – Rückruf für Iveco Daily wegen Stickoxyden läuft

Unser Bericht: Dieselskandal? – Für welche Fahrzeuge gibt es aktuell Klagen?

Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich nicht um eine Rechtsberatung. Diese kann und soll auch nicht erteilt werden. Wenden Sie sich bei Rechtsfragen an einen Fachmann. Außerdem gilt die Unschuldsvermutung.

Offenlegung: Um das Thema fachlich versiert darzustellen, haben wir diesen Artikel  gemeinsam mit Goldenstein Rechtsanwälte Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erstellt.

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